Artikel
0 Kommentare

Soul Power (Film)

Wie eine lang verborgene Zeitkapsel tauchte dieser Film vor wenigen Jahren plötzlich in den Programmkinos auf und beleuchtete ein Ereignis aus dem Jahr 1974, das wohl jedem Soul-, R&B- und Funk-Fan (der alten Schule) das Herz höher hüpfen lässt: das Zaire 74 Musikfestival, das vom 22.-24. September 1974 in Kinshasa, Zaire (heutiges Kongo) stattfand. 31 Musiker und Bands, darunter solche Größen wie James Brown, Bill Withers, B.B. King, Sister Sledge, aber auch die Salsa-Königin Celia Cruz mit den Fania All-Stars und afrikanische Stars wie Miriam Makeba, spielten drei Tage lang auf einer Bühne vor 80.000 Menschen. Das ganze Festival diente als Promotion für den Jahrhundert-Boxkampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman, der eigentlich zur selben Zeit am selben Ort stattfinden sollte, aber wegen einer Verletzung Foremans um einen Monat verschoben wurde, und dann unter dem Titel „Rumble in the Jungle“ in die Sportgeschichte einging.

Was haben all diese Stars oberflächlich betrachtet gemeinsam? Richtig, ihre Hautfarbe. Im Zuge der Black Power Bewegung besannen sich auch viele afroamerikanische Stars auf ihre Wurzeln und waren daher offen für die Idee des Plattenproduzenten Stewart Levine und des südafrikanischen Musikers Hugh Masekela, für dieses ambitionierte Projekt  nach Afrika zu reisen und zusammen mit dortigen Künstlern durch die Musik ihre kulturelle Solidarität zu feiern.

„It ain’t about us being against nobody, but it is about us saying that we are for each other!“
Lloyd Price

Der Film ist kein reiner Konzertfilm, sondern enthält auch längere Passagen, in denen die Künstler bei der Anreise, Pressekonferenzen, lockerem Zusammensein untereinander und mit den dortigen Menschen, sowie in Interviews gezeigt werden. Die Kommentare sind teils komisch, wenn z.B. Muhammad Ali wie im Rausch eine Kostprobe seines lyrikartigen Redeschwalls von sich gibt. Höhepunkte sind aber definitiv die mitreißenden Bühnenauftritte. Meine Favoriten sind das rührende „Hope She’ll Be Happier“ von Bill Withers, die süßen Mädels von Sister Sledge und der krönende Auftritt des göttlichen James Brown. Bei „Quimbara“ von Celia Cruz & The Fania All-Stars kann man kaum still sitzen und auch der Auftritt von Tabu Ley Rochereau und seinen ekstatischen Tänzerinnen wirkt ansteckend mit purer Lebenslust und Freude am Rhythmus.

 

Mir gefällt der lockere Zusammenschnitt der Original-Aufnahmen mit dem typischen 70er Jahre Farbschleier und der groben Körnung des Filmmaterials. Ungebrochen von rückblickenden Kommentaren (man hätte ja die Stars von damals wieder aufsuchen können) kann man sich ganz dem nostalgischen Gefühl hingeben und den Stolz, die Freiheit und das friedliche Miteinander miterleben, das die Dokumentation transportiert.

„Say it loud — I’m black and I’m proud!“
James Brown

Bleibt mir nur noch auf eine ungekürzte Veröffentlichung der Konzerte zu hoffen. Bis dahin erfreue ich mich an der DVD, die neben dem Film im Original mit deutschen Untertiteln, auch zusätzliche Szenen und vier weitere Songs enthält.

Soul Power
Regisseur: Jeffrey Levy-Hinte
Produktionsjahr: 2008
Arthouse DVD, 88 Minuten + Extras, Englisch OmU

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.


CommentLuv badge