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Zoff in Beverly Hills

Zoff in Beverly Hills – der erste Film, an den ich mich erinnere, bei dem ich zu Tränen lachend im Kino saß (und dabei war ich verbotenerweise noch jünger als die 12 Jahre Altersfreigabe). Die Figuren sind so herrlich schräg, die Handlung so absurd und die Dialoge konnte ich irgendwann auswendig (so wie Max in einer Szene, in der er seinen Lieblingsfilm synchron mit spricht), denn den Film musste ich natürlich auf VHS-Kassette haben und immer wieder sehen, und als der Videorekorder eingemottet wurde, wurde der Film auf DVD angeschafft. Es fällt mir schwer zu erklären, warum es mir dieser Film so sehr angetan hat, obwohl er allgemein als zwar gute, aber unbedeutende 80er-Jahre-Komödie angesehen wird und wohl kaum jemandem heute noch in Erinnerung ist. Aber ich liebe ihn! Also versuche ich diesem Rätsel mal auf den Grund zu gehen …

Die Handlung: Der Obdachlose Jerry irrt suchend nach seinem verschwundenen Hund durch das ewig sonnige Los Angeles und gibt die Hoffnung nach kurzer Zeit auf. Mit Steinen in der Tasche beschwert, springt er in den Pool der Familie Whiteman. Mit einem beherzten Sprung rettet ihn der Selfmademan David Whiteman und lädt ihn zum Entsetzen seiner Frau Barbara dazu ein, vorübergehend bei ihnen zu bleiben. Schnell gewöhnt sich Jerry an die Annehmlichkeiten in Beverly Hills und nistet sich dauerhaft ein, bringt das Familienleben und die Gefühlswelten jedes Einzelnen im Haushalt (inklusive Hund) gehörig durcheinander und verursacht ein Riesenchaos.

Das wunderbare an diesem Film sind die absolut neurotischen Charaktere:

David Whiteman, der mit banalen Kleiderbügeln reich geworden ist, fühlt sich offensichtlich schuldig gegenüber dem Ungleichgewicht von Arm und Reich – und sieht im Projekt „Jerry“ eine Chance, etwas dagegen zu tun. Er will ihn von der Straße holen und bietet ihm einen Job an, damit Jerry es ihm gleich tun kann – doch der hat anderes im Sinn.

„Ja, schuldig sollten wir uns auch fühlen.“
David Whiteman (Richard Dreyfuss)

Barbara Whiteman ist Daves gelangweilte Ehefrau, die ihres Ehemannes überdrüssig versucht, mit Yoga und Esoterik ihr Leben auszufüllen. Jerry, den sie anfangs nur widerwärtig findet, verführt sie und bringt damit eine Saite in ihr zum klingen, die sie mit neuer Lebens- und Liebeslust erfüllt.

„Schuld ist sinnlos.“
Barbara Whiteman (Bette Midler)

Der Sohn Max träumt davon, Filmemacher zu werden, dokumentiert sein Leben ständig mit der Kamera und kommuniziert mit seinen Eltern nur über Videobotschaften (lange vor der Generation YouTube). Jerry ermutigt ihn, seinen Weg zu gehen und offen seine Neigungen auszuleben.

„Sieh dir das Video an, dann weißt du wie’s mir momentan geht.“
Max Whiteman (Evan Richards)

Die Tochter Jenny, von Max passenderweise als „die Prinzessin“ charakterisiert, ist magersüchtig,  und flüchtig „wie eine Duftwolke“. Auch sie verführt Jerry, mit ähnlicher Wirkung wie bei ihrer Mutter.

„Schuld ist Scheiße.“
Jenny Whiteman (Tracy Nelson)

Zu guter Letzt sind noch der nicht minder neurotische Hund Matisse und die mexikanische Hausangestellte Carmen zu nennen, die sich ebenfalls von Jerry um den Finger wickeln lassen, sowie der wütende Nachbar, gespielt von Little Richard.

„Du bist der Imperialist, nutzt mich aus als wäre ich die dritte Welt! Ich bin der Arbeiter und du der Kapitalist. Und wie ändern wir das? Durch Revolution!“
Carmen (Elizabeth Peña) zu David

 

Die Familie Whiteman macht uns mal wieder deutlich, dass Geld nicht glücklich macht und man sich trotz aller Reichtümer doch leer fühlen kann. Jerry ist die Schlüsselfigur, durch die sie ihre Vorurteile und Ängste ablegen und zu den wesentlichen Werten des Lebens zurück finden: Freundschaft, Liebe und Authentizität.

Das klingt jetzt alles viel pathetischer als es im Film dargestellt wird. Der Film ist einfach nur wahnsinnig komisch. Am Ende landen alle zusammen im Pool, wo Dave versucht, Jerry zu ertränken. Der Kreis schließt sich.

 

Originaltitel: Down And Out in Beverly Hills
Produktionsland: USA, 1986
Regie: Paul Mazursky
99 Minuten, FSK 12

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