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Flow Magazin #2

Ich bin ein Spätzünder. Ich sah die Werbung für das neue Flow Magazin #1 so spät, dass es schon überall ausverkauft war, was es natürlich nur noch begehrenswerter machte. Entsprechend glücklich fühlte ich mich, als ich dann Ausgabe #2 in den Händen hielt. Und damit hatte das Magazin schon sein Ziel erreicht, bevor ich es überhaupt aufschlug: der Leserin ein gutes Gefühl zu geben. Dabei waren meine Erwartungen angesichts der ersten Leseproben eher mäßig: zu viel und zu kleiner Text, das lese ich eh nicht alles und dann ärgere ich mich wegen dem hohen Preis, die Gestaltung ist zu niedlich, zu bunt, zu sehr Dawandetsy-artiger Kitsch … aber die schönen bunten Illustrationen! ♥

Die Ausgabe #2 las ich auf einer fünfstündigen Bahnfahrt – von vorne bis hinten durch, ohne mich zu langweilen und ohne mich für dumm verkauft zu fühlen (wie sonst oft bei konventionellen Frauenzeitschriften). Ich war im Flow!

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Das Magazin-Konzept hebt sich vom sonstigen Frauenzeitschriften-Einerlei mit ganz besonderen allgemeinen Themen ab: Achtsamkeit, Kreativität, Inspiration, Psychologisches, Philosophisches, Leben, Design, Illustration, Do It Yourself, Raumgestaltung, Lebensgestaltung. Zudem hat jedes Heft ein Spezialthema, in diesem Fall ist es „Mut & Verletzlichkeit“.

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Achtsamkeit war mir ein neuer Begriff. Er taucht in mehreren Artikeln immer wieder auf. Die Idee dahinter gefällt mir: sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren, den Moment mit allen Sinnen genießen und nutzen. In weiterem Sinne: Entschleunigung, Gelassenheit, Bewusst leben.

Ein weiterer Begriff, der mir beim Lesen des Flow Magazins in den Sinn kommt, ist: authentisch. Die vorgestellten Personen sind keine Prominente, sondern hauptsächlich schöpferische Menschen, die im eher kleinen Stil ihrer Kreativität freien Lauf lassen, und mit ihrer Begeisterung, Liebe und Überzeugung unheimlich inspirierend wirken. Die Fotografien wirken ungeschönt, spontan, nicht inszeniert.

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Viel Wert wird offenbar auch auf das haptische Erlebnis gelegt. Von Hochglanz- bis zu ungestrichenen, natürlich wirkenden Papieren werden für jeden der vier Hauptbereiche unterschiedliche Papiersorten verwendet, was die Produktion unheimlich aufwändig und teuer machen muss. Die abwechslungsreichen Illustrationsstile und Typografie-Spielereien werden dadurch aber positiv unterstützt. Kleinigkeiten zum Sammeln, Machen, Dekorieren, sowie Seiten zu Kreativitäts- und Achtsamkeits-Übungen lockern die Lektüre auf und wirken motivierend, selbst aktiv zu werden und das eigene Skizzenbuch, Tagebuch, die Wohnung oder gleich das ganze Leben etwas kreativer zu gestalten.

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Die Zeit mit dem Magazin ist nicht nur so dahingeflogen, ich hatte beim Lesen tatsächlich das Gefühl, etwas für mich gewonnen zu haben. Ich fühle mich motiviert, selbst etwas zu gestalten und mich abseits von Trends und Moden inspirieren zu lassen. Ohne Sinn und Zweck oder gehobene Ansprüche herumzukritzeln, zu schreiben, auf dem Klavier herumzuklimpern, nur für mich.

Verschlungen:

  • Leben: die Illustratorin Marit Törnqvist erzählt ihre Lebensgeschichte, wobei man das Gefühl hat, man sitzt mit ihr beim Tee auf der Couch, während man in ihrem Familienalbum blättert.
  • Eine Buchhändlerin stellt ihre Lieblingsbücher vor (ohne Anspruch auf Aktualität, sondern „Bücher meines Lebens“) – ich finde es immer spannend, in die Bücherregale andere Leute zu gucken.
  • Leben mit Notizbüchern: Designer, Künstler und Illustratoren geben Einblick  in ihre Skizzenbücher.
  • Die Welt aus der Sicht einer Fotografin: Eva Besnyö, die als Wegbereiterin der modernen Fotografie gilt und mir bisher nicht bekannt war, deren Lebensweg und Fotografien ich aber spannend finde.

Mit (kleinem) Stirnrunzeln gelesen:

  • Ruhe finden in New York: war zwar interessant zu lesen, mich beschlich aber das Gefühl, dass hier privilegierte Frauen zu Wort kommen, die sich ihre Balance zwischen Arbeit, Familie und Freizeit im Gegensatz zu so vielen anderen Frauen schlicht und einfach finanziell leisten können.
  • Shopping: solche verkappte Werbung finde ich grundsätzlich in allen  Frauenmagazinen nervig, ist aber wahrscheinlich ein notwendiges Übel, mit dem der Magazinpreis für den Käufer moderat gehalten werden kann.
  • Wie man eine Lampe aufhängt: nicht falsch verstehen, die Anleitung ist wirklich schön gestaltet, aber wenn man nicht zufällig gerade in der Situation ist eine Lampe aufhängen zu wollen, wird sie wohl kaum genutzt. Und wenn ich irgendwann mal eine Lampe aufhängen muss, werde ich wohl kaum das Flow-Magazin hervorkramen um das nachzulesen, sondern einfach googeln.

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Der anfangs relativ hoch empfundene Preis von 6,95 € ist eigentlich recht günstig. Man bekommt dafür: ein aufwändig produziertes und liebevoll gestaltetes Magazin mit viel „gehaltvollem“ Inhalt, der noch lange positiv nachwirkt, und das mit wenig Werbung. Dazu bekommt man mit jedem Magazin hübsche, motivierende, nützliche Beigaben.

Das Flow Magazin hat offenbar den Nerv der Zeit getroffen! Das ursprünglich quartalsweise erscheinende Magazin wird bereits ab Ausgabe #3 im zweimonatlichen Rhythmus erscheinen. Den Erscheinungstermin dafür (13. Mai) werde ich diesmal nicht verpassen!

Kennt ihr das Flow Magazin? Was haltet ihr davon? Und nutzt ihr die Beilagen?

2 Kommentare

  1. Ich kenne das Magazin nicht. Hört sich interessant an, vielleicht nehm ich es bei der nächsten Kioskstöberei mit.

    Noch eine Anregung von mir ist THE HERITAGE POST- Magazin für die Frau.

    Herzliche Grüße Linda

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  2. Danke für den Tipp! The Heritage Post kenne ich nicht, habe aber aus Neugier doch mal gegoogelt und beschlossen, das nächste mal beim Bahnhofskiosk danach Ausschau zu halten. Das könnte mir tatsächlich gefallen.

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