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Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (Filmkritik)

Was für ein durch und durch schöner Film! „Das erstaunliche Leben“ des Walter Mitty erzählt nicht nur eine unterhaltsame Geschichte mit einfacher Moral, sondern ist durchweg gut besetzt, beeindruckt mit atemberaubenden Bildern und einem stimmungsvollen Soundtrack.

Die Handlung ist schnell erzählt: der introvertierte Walter Mitty (Ben Stiller) arbeitet seit 16 Jahren im Film-Archiv des berühmten LIFE-Magazins und erlebt nur in seinen fantasievollen Tagträumen spannende Momente, in denen er immer als Held hervorgeht und seine heimliche Liebe Cheryl (Kristen Wiig) für sich gewinnt. Dass er im wahren Leben eigentlich noch nichts von der Welt gesehen hat, wird ihm erst klar, als er im Online Dating Portal sein Profil ergänzen soll. Schlagartig ändert sich jedoch sein Leben, als er auf der Suche nach einem wichtigen Film-Negativ, mit dem das letzte Titelblatt des LIFE-Magazins bebildert werden soll, nach Grönland aufbricht. Dort hofft er, den abenteuerlustigen Fotografen Sean (Sean Penn) zu treffen, von dem das Negativ stammt. Doch das ist erst der Anfang einer weiten Reise mit aberwitzigen, skurrilen und besinnlichen Momenten.

Sämtliche Rollen, angefangen von den Hauptpersonen bis hin zu den Nebenrollen (wie der betrunkene Hubschrauberpilot in Grönland oder die von Shirley McLane gespielte Mutter) sind exzellent besetzt. Mit viel Feingefühl spielen sie die vorwiegend leisen Töne ohne Übertreibung und Hollywood-Kitschgefühlspathos. Ben Stiller ist ganz untypisch nicht der schrill-schräge Komiker, als den man ihn sonst kennt, sondern auf eine ganz ruhige, ernste Weise komisch.


Besonders beeindruckt hat mich aber die Kameraführung. Von Anfang bis Ende ist jedes Bild wunderbar harmonisch durchkomponiert, transportiert Stimmungen und unterstreicht die Charakterentwicklung. Während Walter Mitty zu Beginn des Films noch in in seiner akkurat aufgeräumten Wohnung mit geradlinigen Perspektiven und in gedeckten Farben gezeigt wird, könnte der Kontrast zu einem späteren Zeitpunkt kaum größer sein, wenn er in betörend warmer Lichtstimmung auf dem Longboard eine kurvige Straße durch Islands Wildnis entlangfetzt, was durch extreme Perspektiven und die Musik von José Gonzalez noch umso aufregender wirkt. Ein Gänsehaut-Moment ist aber auch, wenn Cheryl in einem von Walters Tagträumen Gitarre spielend „Space Oddity“ von David Bowie singt und Walter damit ermutigt, aufzustehen und das Abenteuer Leben anzugehen.

To see the world, things dangerous to come to, to see behind walls, draw closer, to find each other, and to feel. That is the purpose of life. Life Magazin Motto

Überhaupt sind es die Gefühle, Farben, Stimmungen, mit denen der Film seine Philosophie transportiert: erst wirklich zu leben, wenn man all seinen Mut zusammen nimmt, aus seiner Komfortzone heraustritt und sich auf abenteuerliche Reisen begibt, neue Menschen kennen lernt und verrückte Dinge tut. Ein wunderschöner Film, der zu einem meiner All Time Favourites werden könnte.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty
Originaltitel: The Secret Life of Walter Mitty
Regisseur: Ben Stiller
USA 2013, 114 Minuten, FSK 6

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