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7 Tage Kundalini Yoga

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Das Schlafzimmer nicht abdunkeln zu können mag manch einer als Nachteil sehen. Ich freue mich jedoch darüber, schon vor meiner eigentlichen Aufsteh-Zeit sanft vom Morgenlicht geweckt zu werden. Normalerweise bleibe ich dann noch gut eine Stunde gemütlich liegen, doch letzten Montag war ich um 6 Uhr morgens bereits rastlos. Warum nicht die Zeit nutzen und eine meiner unzähligen Sport-DVDs einlegen?

Ich entschied mich für die bereits angestaubte DVD-Reihe „Eine Reise durch die Chakren“ von Maya Fiennes. Die Cousine von Ralph Fiennes (erinnert sich noch jemand an „Der englische Patient“?) lehrt Kundalini Yoga und hat mehrere DVDs veröffentlicht, von denen ich besagte Reihe mit 7 DVDs besitze, für jedes der sieben Chakren eine. Ich wählte ganz pragmatisch #1: Mut. Eine Stunde später saß ich total entspannt, wach und bereit für den Tag in meiner Küche, schlürfte einen Coco Drink (die von der neuen dm Marke „bio“ sind übrigens ziemlich lecker) und beschloss spontan, mir eine kleine Challenge aufzuerlegen: diese Woche jeden morgen eine Stunde früher aufstehen und nach und nach alle weiteren Chakren „ankurbeln“.

Chakren? Ist das nicht so’n Esoterikzeug mit bunten Auren und Buddhas und so? Ja, genau. So denke ich zwar auch, aber irgendwie ist da wohl doch was dran, möglicherweise, vielleicht … also, schaden kann’s ja nicht, sich kurz damit zu beschäftigen. Angenommen, es gibt unsichtbare Energiebahnen, die durch unseren Körper fließen (und die auch eine Verbindung zu unserer Umgebung, der Natur und dem Universum haben, mit denen wir somit in Wechselwirkung stehen). Und angenommen, es gibt sieben Energiezentren in unserem Körper, die sogenannten Chakren, die die Energiebahnen am laufen halten. Chakra ist das Sanskritwort für „Rad“, also etwas rundes, was sich dreht. Die sieben Chakren im menschlichen Körper liegen auf einer Linie entlang der Wirbelsäule, beginnend beim Wurzelchakra am Beckenboden und aufsteigend zum Kronenchakra am Scheitel. Jedem Chakra sind bestimmte körperliche Regionen oder Organe zugeordnet und auch psychische Eigenschaften, z.B. ist das Wurzelchakra u.a. für den Darm und die Verdauung zuständig, aber auch für psychische Stabilität, Erdung, Lebenswillen. Wenn jetzt einzelne Chakren nicht mehr so rund laufen, also blockiert sind, dann kann natürlich die Energie nicht mehr richtig fließen und es kommt zu körperlichen und psychischen Störungen. So einfach ist das!

Kundalini ist übrigens der tantrische Begriff für eine jedem Menschen innewohnende Kraft oder Bewusstheit, die tief in uns schlummert. Bildlich stellt man sie sich als schlafende Schlange vor, die es sich im untersten Chakra gemütlich gemacht hat. Im Kundalini Yoga bemüht man sich, die Schlange zu wecken und entlang der sieben Chakren nach oben aufsteigen zu lassen, bzw. alles nötige dafür vorzubereiten, indem man die Chakren reinigt und aktiviert. Wenn die Kundalini-Schlange oben am Scheitelchakra ankommt, gilt man als erleuchtet. OK, das klingt schon echt abgefahren esoterisch. Ich habe auch nicht weiter darüber nachgedacht, als ich in dieser Woche wirklich jeden Morgen schon vor dem Kirchenläuten auf meiner Yogamatte saß und das „Sat Nam“ intonierte.

Beim Kundalini Yoga arbeitet man nämlich nicht nur mit körperlichen Übungen, sondern auch mit Mantras, Atemtechniken und Meditationen. Ja, nicht die Augen verdrehen, einfach mal machen! Es ist ja erwiesen, dass das Summen bestimmter Tonlagen nicht nur akustische Schwingungen erzeugt, sondern auch wohltuend auf Atmung und Gemütsstimmung wirkt. Bestimmt kennt jeder die anregende Wirkung eines kleinen Liedchens unter der Dusche. So sehe ich das auch mit den Mantras: es ist mir relativ egal, was ich da singe, es kommt nicht darauf an, ob ich die Worte richtig ausspreche oder ob ich mir ihrer Bedeutung bewusst bin. Ich spüre nur die anregende oder auch beruhigende Wirkung, je nachdem ob ich kurze oder lange, tiefe oder hohe Töne von mir gebe, und wie sich meine Luftröhre dabei frei macht. Damit ergeben die Mantras für mich genug Sinn.

Maya Fiennes gliedert jede Session in eine Aufwärm-Phase, Kriyas (die eigentliche Übungsreihe) und abschließende Meditationen. Wer jetzt aber beim Aufwärmen an Cardio-Übungen denkt, bei den Kriyas an Muskeltraining und bei Meditation an Entspannung, liegt falsch. In allen Phasen lauern richtig anspruchsvolle Übungen, die ordentlich in den Muskeln spürbar sind, z.B. eigenartige Liegestützen beim Aufwärmen oder minutenlanges Hochhalten der Arme und Schwenken des Oberkörpers bei den Meditationen. Es gibt aber immer einen Wechsel von Anspannung und Entspannung, was das ganze gut aushaltbar macht. Am Ende jeder etwa 50-minütigen Session fühlte ich mich angeregt, wach, voller Energie, aber gleichzeitig auch tief entspannt und in mir selbst ruhend, und vor allem positiv. Eine wichtige Komponente ist nämlich das Lächeln beim Kundalini Yoga. Auch das ist ja erwiesen: Lächeln hebt die Stimmung, auch wenn einem gerade nicht danach ist.

Eine Wohltat ist das minimalistische Setting in Maya Fiennes DVDs: sie befindet sich in einem absolut weißen, leeren Raum, nur mit ihrer Wollmatte und in ihrer weißen, luftigen Kleidung. Die Umgebung erscheint im ersten Moment etwas kühl und trist, das gleicht Maya Fiennes aber durch ihre warmherzige, sympathische Art aus. In manchen Momenten wirkt sie selbst wie ein lächelnder Buddha, gleichzeitig aber auch immer menschlich und geerdet. Angenehm ist auch die Hintergrundmusik, die ihre Vergangenheit als Pianistin erahnen lässt, mal ein Mix aus Debussy und Mantragesängen, dann wieder leichte elektronische Töne und auch mal einfach nur ein tiefer Grundrauschklang, der nicht ablenkt, sondern bei der Fokussierung hilft.

Abschließend kann ich sagen, dass mir diese Challenge richtig gut getan hat, auch wenn ich nicht jeden Morgen so motiviert aus dem Bett gesprungen bin wie am Montag. Ich hatte jeden Tag spürbar mehr Kraft, mehr Ausgeglichenheit und konnte mich besser fokussieren. Abends war ich früher müde, so dass ich auch früher als sonst zu Bett gehen musste, was ich ebenfalls als positiven Seiteneffekt werte. Ich habe mir vorgenommen, zumindest in der hellen Jahreszeit, jeden Morgen mit ein wenig Sport zu beginnen, gern auch weiterhin mit Maya Fiennes Kundalini Yoga.

3 Kommentare

  1. Ich habe mir auch mal eine Kundalini Yoga DVD-Box bestellt, aber so richtig kam ich damals nicht ran, vor allem wegen den Gesängen und den sehr merkwürdigen Outfits der Protagonistin ^^ .
    Deine DVD-Reihe klingt da schon etwas besser, obwohl ich nicht so viel mit Esoterik am Hut habe. Ich werde mir die Reihe aber auf jeden Fall mal genauer ansehen. Vielleicht findet man ja auch Ausschnitte bei Youtube davon, damit man erstmal schauen kann, ob es zusagt.
    Vor dem Frühstück Sport zu machen tut auch mir wirklich gut, aber meist verlockt das längere Schlafen dann doch x) .
    Ich mache zurzeit so gut wie täglich das 7 Minute Workout, weil das einfach so schön schnell geht. Ist allerdings alles andere als entspannend, aber beleben tut es durchaus auch (: ! Liebe Grüße.
    Theresa vom Projekt Schminkumstellung schrieb zuletzt: Aufgebraucht Nr. 10My Profile

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    • Die Gesänge fand ich am Anfang auch eher abschreckend, aber nachdem ich mich mal darauf eingelassen habe, finde ich es gar nicht mehr so schräg.
      Ja, Sport vor dem Frühstück schaffe ich auch nur im Sommer. Man darf nur nicht darüber nachdenken, ob man sich heute aufraffen soll, sondern es einfach tun und zur Morgenroutine hinzu nehmen, damit es schnell zur Gewohnheit wird. Bei mir sieht es jetzt so aus, dass ich erstmal auf die Toilette wanke, mir die Zähne putzen, ein Glas Wasser runterschütte und dann die Yogamatte ausrolle … ohne darüber nachzudenken! Wenn ich doch zu spät aus dem Bett gekommen bin mache ich jetzt wenigstens 21 mal den Sonnengruß, das dauert 11 Minuten, das sollte immer drin sein!
      Was für ein 7 Minute Workout ist das denn, was du machst?

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      • Das ist so eine App (kann man aber auch ohne App machen), die ein HIIT, also ein High Intensity Interval Training Workout, beinhaltet. Viele Sprünge etc. und nur kurze Pausen zwischen den Übungen. Hilft mir bei mehr Ausdauer, verbrennt Fett (auch noch später über den Tag verteilt) und dauert eben nur 7 min, weshalb ich es zurzeit lieber mache als einstündige Workouts (z.B. Yoga). Aber es ist eben kein entspannendes Training, sondern wirklich Action pur ^^ .
        Liebe Grüße (: .
        Theresa vom Projekt Schminkumstellung schrieb zuletzt: Meine Frühlingsfavoriten 2015My Profile

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