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Mein Bücherherbst und der LovelyBooks Leserpreis

Diesem Kaltnassdunkelwetter begegnet man am besten mit einer warmen Kuscheldecke auf dem Sofa und einem ordentlichen Bücherstapel neben dran! Dabei hat sich mein diesjähriger Herbst-Bücherstapel fast von selbst aufgetürmt – durch Gewinne, Geschenke und ein bisschen auch durch zufällige Schnäppchenfunde. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch noch auf den LovelyBooks Leserpreis 2017 aufmerksam machen, bei dem man im November für seine diesjährigen Lieblingsbücher stimmen kann – immer eine gute Inspiration für den nächsten Bücherstapel!

Born to Run (Bruce Springsteen), gelesen von Thees Uhlmann

Zur Kategorie Schnäppchen, weil ich es unverständlicherweise zum halben Preis in einer Grabbelkiste gefunden habe, zählt das Hörbuch „Born to Run“, die Autobiografie von Bruce Springsteen, dem meiner Meinung nach am meisten missverstandene Songwriter der USA. Viele halten ihn aufgrund seines Songs „Born in the USA“ und des dazu gehörenden Albumcovers für einen unverbesserlichen Patrioten. Dabei war und ist Bruce Springsteen ein sehr gesellschaftskritischer Mensch, dessen Songs sich oft um das Leben der amerikanischen Arbeiterklasse drehen, für die der amerikanische Traum Hoffnung und Fluch zugleich ist. Selbst in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen spiegeln sich seine Geschichte und die der Leute um ihn herum in seinen poetischen Songtexten wider. In dem Song „Born in the USA“ geht es übrigens um Vietnam-Heimkehrer und nicht um Hurra-Patriotismus.

Ich bin gespannt, jetzt seinen Worten als Schriftsteller zu lauschen, in der deutschen ungekürzten Lesung von  Thees Uhlmann ganze 17,5 Stunden lang auf 3 mp3-CDs (erschienen bei Random House Audio). Das dazugehörige Booklet enthält viele Farbfotos aus seinem Leben.

Begleitend zu seiner Buchveröffentlichung erschien auch das Album „Chapter and Verse“, für das Springsteen 18 Songs aus der Zeit von 1966 bis 2012 auswählte (darunter 5 bisher unveröffentlichte) und die seine Autobiografie musikalisch passend begleiten. Im Booklet (oder eher: Faltblatt) sind neben den Songtexten auch viele Fotos dieser Zeitspanne enthalten.

Die große Sherlock Holmes Edition (Arthur Conan Doyle), gelesen von Oliver Kalkofe

Herbstzeit ist auch Strickzeit, deshalb höre ich jetzt auch wieder gerne Hörbücher und bin froh, diese schöne Sammlung bei einer LovelyBooks-Verlosung gewonnen zu haben. Auf zwei mp3-CDs enthalten sind die 12 „Abenteuer des Sherlock Holmes“ und die 11 „Memoiren des Sherlock Holmes“, allesamt Kurzkrimis rund um den berühmten englischen Detektiven und daher in angenehm kurzen Häppchen konsumierbar. In zwei Bonustracks spricht der Autor selbst über seine Figur Sherlock Holmes und Spiritismus.  Auch hier wurde nichts gekürzt, insgesamt werden wir mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 22 Stunden bestens unterhalten. In einem dicken Booklet finden wir einen Essay von Arthur Conan Doyle, ein Interview mit Oliver Kalkofe sowie interessante Anmerkungen der Übersetzer. Das Hörbuch ist erschienen bei „Der Hörverlag“ (Verlagsgruppe Random House).

Lebensgeister (Banana Yoshimoto)

Etwas mystisches haftet den nebligen kalten Hersttagen an und die frühe Dunkelheit tut ihr übriges. Ich finde, die Bücher der japanischen Schriftstellerin Banana Yoshimoto passen ideal zu dieser Stimmung. Sie schreibt sehr oft über Tod und die Trauerbewältigung der Hinterbliebenen, oftmals aus der Perspektive einer jungen Frau in der anonymen Großstadt. Dabei sind ihre Bücher nie deprimierend, sondern verbreiten eine einzigartige Atmosphäre der Hoffnung und der Gelassenheit gegenüber dem Unausweichlichen. Auch in ihrem Buch „Lebensgeister“ geht es um eine junge Frau, die bei einem schweren Unfall nicht nur ihren Freund verliert, sondern beinahe auch ihr eigenes Leben, und daraufhin nicht mehr sie selbst ist. „Sie hat das Zwischenreich der Geister betreten und Geheimnisse der unsichtbaren Welt erfahren. In der Tempelstadt Kyoto lernt sie allmählich, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist: voller Ungewissheiten und Rätsel, dem Tod immer nahe, egal, ob man jung ist oder alt. Aber sie begreift auch, wie einmalig und geheimnisvoll das Diesseits ist.“ (Klappentext)

Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich dieses lange auf meiner Wunschliste befindliche Buch meiner Lieblingsautorin als Mängel-Exemplar zum halben Preis ergattern konnte. Erschienen ist das Buch im Diogenes-Verlag.

Stille (Erling Kagge)

Der norwegische Abenteurer Erling Kagge kennt sich aus mit der Stille. Er hat den Weg zum Nordpol, zum Südpol und den Mount Everest bezwungen. Er kennt die ohrenbetäubende Stille menschenleerer Landschaften. Aber in seinem Buch geht es nicht nur um die Stille um uns herum, sondern vor allem um die in uns verborgene. In 33 kurzen Kapiteln denkt Kagge über die Fragen nach: „Was ist Stille? Wo ist sie? Warum ist sie heute wichtiger denn je?“

Das Buch ist ein Plädoyer für mehr Achtsamkeit, das Wertschätzen des Augenblicks und der kleinen Dinge. Erling Kagge schreibt hypnotisch, fesselnd, öffnet den Blick in einen langsam dahinplätschernden Bach. Die eingestreuten Farbfotografien unterstützen diese meditative, ruhige Stimmung. Ich liebe schön gestaltete Bücher: der minimalistische weiße Umschlag aus griffigem Papier umhüllt ein Hardcover mit einer schreiend bunten Verkehrskreuzung in einer Stadt. Ein Buch mit einer schönen Botschaft: Stille kann man immer und überall finden – nämlich in sich selbst.

Das Buch erschien im Insel Verlag. Mein Exemplar habe ich bei Vorablesen gewonnen.

Eine kurze Geschichte der Menschheit (Yuval Noah Harari)

Von einem Geburtstagsgutschein habe ich mir ein Buch gegönnt, das schon ganz lang auf meiner Wunschliste stand: Eine kurze Geschichte der Menschheit, zusammengefasst auf 528 Seiten. Hier erzählt der israelische Historiker Yuval Noah Harari in einfach verständlichen Worten die Entwicklung unserer Spezies, angefangen vor 70.000 Jahren mit der kognitiven Revolution des Homo sapiens, hin zu dem unseren Planeten beherrschenden und bedrohenden Menschen, der wir heute sind. Dabei stellt er so manch provokante These in den Raum, stellt z.B. die Errungenschaft der Landwirtschaft als Fortschritt für die Menschheit in Frage. Bei diesem Buch gehen die Meinungen auseinander, daher bin ich schon sehr gespannt auf die Lektüre. Das Buch erschien im Pantheon Verlag (Verlagsgruppe Random House).

Die Hexenholzkrone 1 (Tad Williams)

Ich bin ein Glückskind, habe ich doch tatsächlich noch ein Buch eines Lieblingsautors gewonnen, auf das ich sehr gespannt bin: „Die Hexenholzkrone“ von Tad Williams ist nämlich die Fortsetzung des Fantasy-Epos um Das Geheimnis der großen Schwerter. Die Handlung spielt 30 Jahre später, die Figuren sind die selben, doch natürlich ist bereits die nächste Generation am Start und verteidigt den Frieden in Osten Ard gegen böse Mächte. „Die Hexenholzkrone“ ist der erste Band einer Trilogie mit dem unheilschwangeren Titel „Der letzte König von Osten Ard“. Das liebe ich so an Fantasy: man braucht schon etwas Zeit, sich in die mittelalterlich anmutenden Welten hineinzufinden, die irgendwie vertraut und doch ganz eigen sind, doch hat man erstmal mit den Figuren Freundschaft geschlossen, möchte man gar nicht mehr zurück. So ging es mir damals mit den großen Schwertern, und die selbe Magie erhoffe ich mir nun von der Fortsetzung. Tad Williams ist nicht nur ein fleißiger und kreativer Autor, er hat auch eine sehr unterhaltsame Art über seine Bücher und aus seinen Büchern zu erzählen, wie in einem Mitschnitt einer Lesung aus der Hexenholzkrone zu erleben ist. Darin erzählt er wie er – fast 30 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes aus der Osten-Ard-Saga – darüber nachdachte, was mit den Figuren in Osten Ard nach 30 Jahren wohl passiert sein könnte. Und so brach er sein Wort, niemals eine Fortsetzung zu schreiben. Die Bücher erscheinen im Klett-Cotta-Verlag.

Zum Schluss möchte ich noch zum LovelyBooks Leserpreis 2017 verlinken, denn die Zeit rennt und vielleicht möchtest du ja auch noch dein Lieblingsbuch diesen Jahres dort nominieren (noch bis 16. November möglich) oder über die nominierten Bücher abstimmen (vom 20.-28. November möglich)? Am 30. November werden die Preisträger aller Kategorien in Gold, Silber und Bronze bekannt gegeben. Ich finde den Leserpreis immer sehr spannend, weil hier Leser über ihre Lieblingsbücher abstimmen können und somit eine persönliche Empfehlung mitschwingt. Eine tolle Quelle für Neuentdeckungen und Futter für den Wunschzettel – Weihnachten steht ja auch schon wieder vor der Tür!

P.S.: Und falls ihr euch für die drei Kochbücher interessiert, die ich fahrlässigerweise als Basis meines Bücherstapels auf meinem Eingangsfoto abgelichtet habe: ich verweise lieber mal auf meinen Instagram-Post dazu, da dieser Artikel sonst einfach zu lang werden würde.

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