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Gesicht zeigen

Ein etwas verlegen wirkender Satz von Mexicolita (Schlagworte: „Panik“, „mich selbst zeigen“, „keine Blogger-Beauty im klassischen Sinn“), hat mich erleichtert aufseufzen lassen – mir gehen nämlich genau die gleichen Gedanken durch den Kopf. Jedes Mal, wenn ich Fotos von mir selbst veröffentliche,  frage ich mich aufs Neue: Soll ich wirklich meine Fresse in Großaufnahme in die unkontrollierbaren Weiten des Internets stellen?

Immerhin macht man sich damit angreifbar. Für mich ist das Glas immer halb leer, von daher reicht meine Vorstellungskraft von giftigen Kommentaren, über Stalker bis hin zu Szenarien von Bilderklau, bei denen mein Gesicht für die übelsten Zwecke missbraucht wird. Zudem droht der Ruch der egozentrischen Selbstdarstellung. Ich klicke trotzdem auf „Veröffentlichen“.

Warum? Blogs „mit Gesicht“ empfinde ich zum einen als viel authentischer und sympathischer, da kehre ich gern öfter wieder. Zum anderen finde ich es gerade bei dekorativer Kosmetik tausendmal wertvoller, das Produkt in der Anwendung zu sehen – auf dem Auge, den Wangen, den Lippen wirkt eine Farbe oder Textur nochmal ganz anders als auf dem Handrücken geswatcht. Auch wenn die Bloggerin ein anderer Typ ist als ich, kann ich mir doch viel besser vorstellen, wie das Produkt an mir aussehen könnte. Selbst wenn es nur um einen Lippenstift geht, zeige ich das ganze Gesicht (am besten noch aus verschiedenen Winkeln), weil ich finde, dass die Gesamtwirkung zählt. Im realen Leben sieht man ja auch nie nur einen Ausschnitt von mir.

Zu guter Letzt hoffe ich, dass wir „untypischen“ Beautyblogger auch dazu beitragen können, das allgemeine Bewusstsein dafür zu stärken, dass es Frauen in allen möglichen Ausprägungen gibt. Der ein oder andere ist vielleicht schon darauf gekommen: der in Film und Werbung gezeigte Modeltyp entspricht eher weniger dem Großteil der Frauen. Mich beängstigt die Tatsache, dass auch auf Instagram, YouTube und eben Blogs – Medien, die ursprünglich mal für die authentische, ungeschönte Wirklichkeit standen – immer mehr perfekte und inszenierte Gesichter zu sehen sind. Gerade junge Mädchen, aber auch erwachsene Frauen, neigen dazu, sich damit zu vergleichen und empfinden sich dann nicht als der Norm entsprechend. Dabei gibt es eben kein „normal“.

Von daher: Danke an Mexicolita und alle anderen, die den Mut haben Gesicht zu zeigen!

P.S.: Ich muss gestehen, dass meine Bilder immer retuschiert sind. Ich entschuldige mich mit einem lapidaren „Berufskrankheit“ (das Auge des Betrachters muss auf das Wesentliche gelenkt werden – ablenkende Flecken haben keine Chance!). Ich arbeite aber daran, diesen Zwang mit der Zeit zu unterdrücken.

 

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